Thüringen – Landtagswahl 2014 – Bologna

Beschreibung:

Initiiert wurde die Bologna-Reform des Hochschulsystems 1999 in der italienischen Stadt Bologna, welche den Reformen ihren Namen verlieh. Bei Bologna handelt es sich um einen Reformprozess, der u.a. die Schaffung international anerkannter Abschlüsse, die Verbesserung der Studienqualität und -angebote, die Vermittlung von Beschäftigungsfähigkeit etc. umfasst. Die Inhalte der Reformen beziehen sich z.B. auf die Umstrukturierung der Abschlüsse zu Bachelor und Master, eine Tranzparenzmachung der Studieninhalte durch Creditpoints, eine verbesserte Mobilität oder auch das Lebenslange Lernen. Die Ziele sind größtenteils schon umgesetzt, jedoch haben sich einerseits teilweise Probleme bei der Umsetzung der Reformen ergeben, andererseits gibt es Länder, die sich erst später der Bologna-Reform angeschlossen haben und dementsprechend mit dem Programm zurückliegen. Ein Kritikpunkt an der Reform ist die mangelnde Berufsfähigkeit des Bachelorabschlusses. Ob Bachelor-Absolventen einen Job finden ist je nach Branche und Studienfach unterschiedlich, allerdings will über die Hälfte der Bachelorabsolventen weiter Studieren.[1] Die Frage dabei ist, ob es einen „Master für alle“ geben soll oder ob der Bachelor der Regelabschluss sein soll.

In Thüringen melden sich jedoch nicht nur Bologna-Kritiker zu Wort. In einer Pressemitteilung der Universität Erfurt betonte der Universitätspräsident Brodersen: „Es ist der Bologna-Prozess, der – wenn man ihn klug gestaltet – allgemein- und persönlichkeitsbildende Elemente im Studium verbindlich machen kann und eben nicht nur die ‘Ausbildung‘ umfasst.“[2]

Welche Einstellung die Parteien in Thüringen zum Bologna Prozess und den Bachelor-Master Studiengängen haben, könnt ihr hier lesen:

 

CDU:

Keine Aussage[3]

 

Die LINKE:

„Durch den Bologna-Prozess wird an den Hochschulen derzeit jedoch eine >>Berufs-Ausbildung nach Marktbedürfnissen << betrieben, in der kritische Wissenschaft keinen Platz hat. Dies führt zu einer Verschulung des Studiums; Hochschulen verkommen zu Lernfabriken mit oberflächlicher Schnellbildung.“ […]

„Wir werden ausreichend Masterstudienplätze zur Verfügung stellen und die NC-Regelungen im generellen Zugang sowie zu den Masterstudiengängen abschaffen.“[4]

 

SPD:

„Der Bologna-Prozess ist unumkehrbar. Die Ziele waren richtig und sind es weiterhin: die Mobilität von Studierenden in Europa, die Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen und den Praxisbezug des Studiums zu verbessern und die Abbruchquoten zu verringern. Bestehende Defizite, etwa bei der Modulbildung und der Prüfungsbelastung, müssen korrigiert und die Chancen der gestuften Studienstruktur noch besser genutzt werden. Die gemeinsam im Dialog mit Studierenden, den Lehrenden und den Hochschulleitungen erarbeiteten Empfehlungen wollen wir in die Praxis umsetzen.“[5]

 

FDP:

Keine Aussage[6]

 

Bündnis 90/Die Grünen:

„Um junge Menschen für den Beruf der Lehrerin und des Lehrers zu gewinnen, muss auch das Lehramtsstudium attraktiver werden. Für das Studium wollen wir perspektivisch landesweit die Struktur eines sechssemestrigen Bachelor- und eines viersemestrigen Masterstudiums umsetzen und die Praxisanteile verstärken. In der Masterphase soll ein Praxissemester festgeschrieben und der Vorbereitungsdienst für alle Lehrämter auf 18 Monate reduziert werden.“

„Der Stellenwert der Lehre an unseren Hochschulen muss dazu deutlich aufgewertet und die Bachelor- und Masterstudiengänge zeitlich gelockert werden.“

„Darüber hinaus ist die Übergangsquote vom Bachelor zum Master aus unserer Sicht kontinuierlich zu erhöhen.“[7]

 

AfD:

„Die Neustrukturierung der Studiengänge im Rahmen des sogenannten Bologna-Prozesses hat vor allem in der Lehre die traditionellen Stärken der deutschen Universität durch überbordende Bürokratie schwer beschädigt. Entgegen dem ursprünglichen Plan hat der Bologna-Prozeß zu einer Verschlechterung der Vergleichbarkeit von Abschlüssen, zu geringerer Mobilität und einer weitgehenden Verschulung des Studiums geführt. In vielen Fächern ist der Bachelor zwar formal ein berufsqualifizierender Abschluß, faktisch jedoch ohne den Master unbrauchbar. Die Autonomie der Thüringer Hochschulen und Fachhochschulen ist zu stärken. So soll es ihnen auch möglich sein, die bewährten Magister- und Diplomstudiengänge anstelle der Bachelor-/Masterstudiengänge wieder einzuführen.“[8]

 


  1. http://www.fu-berlin.de/sites/weiterbildung/weiterbildungsprogramm/pdf/studienfachberatung/schom.pdf?1323336666 13.8.14
  2. https://www.uni-erfurt.de/index.php?id=16584&L=0
  3. https://www.epenportal.de/web/datapool/storage/files100915/LTW_2014/Th%C3%BCringenplan.pdf
  4. http://www.die-linke-thueringen.de/fileadmin/LV_Thueringen/dokumente/ltw_2014/LinkeTHU_LTW_Langwahlprogramm_web.pdf S. 30f
  5. http://spdnet.sozi.info/thueringen/dl/regierungsprogramm-2014.pdf S. 25f
  6. http://www.thueringen-entscheidet.de/sites/default/files/uploads/2014/08/04/wahlprogrammfdpthueringen_0.pdf
  7. http://gruene-thueringen.de/sites/gruene-thueringen.de/files/benutzer/erben/web_programm.pdf S. 38, 43,44
  8. http://afd-thueringen.de/wp-content/uploads/sites/2/2014/07/AfD_Thueringen_Wahlprogramm.pdf S. 12