Saarland – Landtagswahl 2017 – Studium und Lehre

Beschreibung:

Die Bologna-Reform wurde zwar bereits 1999 in der gleichnamigen Stadt beschlossen, aber noch immer wird das Schlagwort „Bologna“ genutzt, wenn in der Politik über die Studiengestaltung und die Lehre an Hochschulen debattiert wird: ob die Ziele der Reform wie etwa eine internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse, bessere internationale Mobilität und der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss erreicht wurden. Umstritten ist beispielsweise die Frage, ob es für jeden Bachelorabsolventen einen Masterplatz geben soll und in wie fern der Bachelor auf dem Arbeitsmarkt als Studienabschluss anerkannt ist.

Es werden auch viele grundlegende Diskussionen um Studien- und Lehrbedingungen an Hochschulen unter dem Decknamen der Bologna-Reform geführt. Hierzu gehören u.a. Prüfungsdichte, Auswahlmöglichkeiten und die Modernisierung der Lehrmethoden.

 

Lest hier, was die Parteien im Saarland in dem Bereich Studium und Lehre ändern wollen:

 

CDU:

„Wir wollen ein attraktives und qualitativ hochwertiges Studienangebot bieten und haben das Ziel, die Zahl der Studierenden auf konstant hohem Niveau zu halten.“ S. 25 [1]

 

SPD:

„Hierzu gehören nicht nur gute Vorlesungen, sondern auch gerade vertiefende Angebote wie Tutorien oder Arbeitsgemeinschaften. Allerdings muss für Studierende auch ein breites Angebot bestehen, sich über den eigenen fachlichen Tellerrand bilden zu können oder durch interdisziplinäre Bildung neue Eindrücke zu gewinnen, die den Blick auf das eigene Studium bereichern. All dies weiterhin zu sichern, ist unsere Aufgabe.“ S. 23 [2]

 

Die Linke:

„Die klassischen geisteswissenschaftlichen Fächer gehören zur „Universitas“ und sind zu erhalten. […] Ebenso wenden wir uns gegen die Einsparungen in den naturwissenschaftlich- technischen Bereichen Physik, Chemie, Materialwissenschaften und Mechatronik, weil sie für Struktur und Entwicklung des Landes eine unverzichtbare Rolle spielen. Ebenfalls ein Defizit stellt der Mangel Gesellschaftswissenschaften dar. Sicherlich wäre es illusionär, eine neue Fakultät aufbauen zu wollen. Es sollte jedoch darüber nachgedacht werden, wie vorhandene Ansätze ausgebaut und miteinander verknüpft werden können, um die gesellschaftskritische Reflexion auch der universitätseigenen Forschung zu ermöglichen.“ S. 10 [3]

 

Piraten:

„Die Piratenpartei spricht sich gegen eine Quotierung der Master-Studienplätze im Saarland aus und will den Master als Regelabschluss an den saarländischen Hochschulen etablieren. […] Allen Bachelorabsolventen muss daher ein passender Masterstudienplatz angeboten und dies in den Entwicklungsplan der Hochschulen aufgenommen werden. Eine politisch gewollte Verknappung der Masterstudienplätze zur Kostenreduktion im Hochschulwesen lehnt die Piratenpartei ab.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt sich die Piratenpartei dafür ein, dass eine entsprechende Vereinbarung in die Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den Hochschulen aufgenommen wird.“

„Die Piratenpartei spricht sich für den Erhalt der saarländischen Hochschullandschaft aus und möchte die bestehenden Hochschulen erhalten. Die Universität soll als Volluniversität mit einem breiten Fächerangebot erhalten bleiben, ohne dass Studiengänge wie die Rechtswissenschaften oder die Medizin geschlossen werden.“

„Die PIRATEN werden sich dafür einsetzen, späteste Prüfungstermine und Höchststudiendauern nach den Orientierungsprüfungen am Studienbeginn abzuschaffen.“

„Die Piraten engagieren sich für den freien Zugang zu allen Klausuraufgaben des Saarlandes an Fachhochschulen und der Universität. Bezüglich Klausuraufgaben liegen Klausuren der letzten Jahre auf Datenträgern den Prüfungsämtern bzw. Lehrstühlen vor. Die Piraten setzen sich für die Veröffentlichung aller Klausuren mit Lösungen auf dem Bildungsserver des Saarlandes ein. Reduzierung der Kosten für Studenten und Eltern, kostenfreie Materialien für Vorlesungen und Übungen, Möglichkeit zur Klausurvorbereitung unabhängig vom verfügbaren Budget kristallisieren sich im Sinne einer gerechten nachhaltigen Bildung mit freien Lizenzen heraus.“ [4]

 

Die Grünen:

„Wir wollen die Qualität der Lehre steigern und setzen uns ein für attraktive Studienbedingungen. Dazu gehören studienbegleitende Tutorien, ein nutzerfreundliches Bibliotheksangebot, moderne Technikausstattung und Räume sowie ein gutes Betreuungsverhältnis zwischen Hochschullehrenden und Studierenden.“ S. 39/40 [5]

 

FDP:

„Die Streichung von nachgefragten Studiengängen lehnt die FDP daher ab. Auch wenn die FDP die saarländischen Hochschulen in der Pflicht sieht, gemäß der Haushaltslage des Landes zu handeln, darf dies jedoch nicht zu Lasten des Studienangebotes gehen, sondern muss durch Bürokratieabbau und Kosteneffizienz an der Hochschule erfolgen.

Insbesondere Bachelorstudiengänge sind häufig sehr „verschult“. Die FDP fordert stärkere Wahlmöglichkeiten und damit verbunden auch mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung in der Gestaltung des eigenen Studiums. Dies gilt insbesondere für Kompetenzen, die die Chancen in der späteren Berufstätigkeit erhöhen, also beispielsweise Kenntnisse zur Unternehmensgründung, aber auch Schlüsselkompetenzen. Auch wollen wir eine stärkere Einbindung von Industrie 4.0 Themen in Lehrstühle und Studiengänge sowie in die MINT-Fächer.“ S. 5/6

„Doch nicht allein das Halten der medizinischen Fachleute ist eine Herausforderung, sondern auch die ausreichende Ausbildung: Die Zahl der Studienplätze in Deutschland und im Saarland muss erheblich gesteigert werden. […] Die Freien Demokraten sprechen zu entsprechen für die Weiterentwicklung der medizinischen Fakultät aus. Bei der Mediziner-Ausbildung erachten wir einen stärkeren Saarlandbezug als notwendig, um das im Land zu erwartende Medizinerdefizit zu verringern, und sehen ein individuelles persönliches Auswahlverfahren als notwendig an.“ S.16/17 [6]

 


  1. http://www.cdu-saar.de/content/pages/284973.htm (Grundlage der Analyse ist das hier zum Download angebotene PDF „Zusammen. Weiter. Voran. – Zukunftsplan Saar – Für ein eigenständiges und starkes Saarland!“
  2. https://www.spd-saar.de/wp-content/uploads/2017/03/SPD-Regierungsprogramm-2017_WEB_NEU.pdf
  3. http://www.dielinke-saar.de/fileadmin/Wahlkaempfe/Landtagswahl2017/LTW-Programm2017_text2.pdf
  4. https://piraten.saarland/project/wissenschaft/
  5. http://wahrheit.saarland/wp-content/uploads/2017/01/Wahlprogramm-2017-01-22_ABGESTIMMT.pdf
  6. https://www.fdp-saar.de/landtagswahl/wahlprogramm/