Nordrhein-Westfalen – Landtagswahl 2017 – Studium und Lehre

Beschreibung:

Die Bologna-Reform wurde zwar bereits 1999 in der gleichnamigen Stadt beschlossen, aber noch immer wird das Schlagwort „Bologna“ genutzt, wenn in der Politik über die Studiengestaltung und die Lehre an Hochschulen debattiert wird: ob die Ziele der Reform wie etwa eine internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse, bessere internationale Mobilität und der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss erreicht wurden. Umstritten ist beispielsweise die Frage, ob es für jeden Bachelorabsolventen einen Masterplatz geben soll und in wie fern der Bachelor auf dem Arbeitsmarkt als Studienabschluss anerkannt ist.

Es werden auch viele grundlegende Diskussionen um Studien- und Lehrbedingungen an Hochschulen unter dem Decknamen der Bologna-Reform geführt. Hierzu gehören u.a. Prüfungsdichte, Auswahlmöglichkeiten und die Modernisierung der Lehrmethoden.

 

Lest hier, was die Parteien in NRW in dem Bereich Studium und Lehre ändern wollen:

 

 

SPD:

„In jeder Region des Landes werden wir Talentscouts für die berufliche und akademische Ausbildung etablieren und unser Programm Erfolgreich Studieren fortsetzen und, wo möglich, ausbauen. […] Wir wollen die Hochschulen ebenso ermutigen, die Möglichkeiten von individuellen Regelstudienzeiten stärker zu nutzen, Teilzeitstudiengänge weiter auszubauen sowie den Erfolgsfaktor eines aktiven Diversity-Managements weiter zu stärken.“

„Dabei [Neuordnung der Akkreditierung, Anm. d. Red.] werden wir unter anderem darauf achten, dass die Studierbarkeit von Studiengängen im Vordergrund steht, dass es kein zu ausdifferenziertes Studiengangangebot gibt, welches Vergleichbarkeit und die gegenseitige Anerkennung verhindert, und dass es ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren gibt.“ S. 49

„Wir wollen deshalb, dass gute Lehre in Zukunft stärker gefördert wird und die Hochschulen das Lehrpersonal in der Breite zu guter Lehre anregen können. Herausragende Beispiele sollen zukünftig ausgezeichnet und als vorbildliche Lehre verbreitet werden“ S. 50

„Außerdem werden wir mit den Fachhochschulen die Möglichkeiten für die Reduzierung des Lehrdeputats umsetzen, auf Praxistauglichkeit prüfen und gegebenenfalls anpassen. Die Chancen der Digitalisierung im Bereich Lehre wollen wir nutzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Digitale Hochschule NRW.“ S.50

„Wir wollen die Akzeptanz des Bachelors erhöhen und so mehr Absolventinnen und Absolventen den Weg in den Beruf ermöglichen und gleichzeitig Masterstudienplätze weiter ausbauen.“ S. 50 [1]

 

CDU:

„…schließlich [werden] die einzelnen Studiengänge insbesondere unter Modernisierungsaspekten evaluiert.“ S. 76

„Kurzfristig wollen wir die Hochschulen, die das wünschen, dabei unterstützen, durch landesweite, freiwillige Eingangstests bereits zu Beginn eines Studiums sicherzustellen, dass Studienanfänger fähig sind, den von ihnen gewählten Studiengang auch erfolgreich abzuschließen.“ S. 76

„Dirigistische Vorgaben wie Kopfprämien für Studienabschlüsse lehnen wir ab. […] Die bisher für die Kopfprämien zur Verfügung stehenden Mittel werden wir komplett in eine bessere Finanzausstattung der Hochschulen investieren.“ S. 76

„Für Hochschulen wie Studierende wollen wir eine landesweite, einheitliche Matrikelnummer einführen. Sie stellt ein wichtiges Instrument dar, um Ziele wie eine stärker vernetzte Hochschule, weniger bürokratischen Verwaltungsaufwand oder ein hochschulübergreifendes Studium zu erreichen.“ S. 77

„Wir wollen gemeinsam mit den Universitäten auf eine Reform des Studiengangs Humanmedizin hinwirken. Ziel dabei ist es, den Schwerpunkt Allgemeinmedizin stärker zu gewichten. Diesem Ziel dient auch die Einrichtung weiterer ordentlicher Professuren für Allgemeinmedizin mit entsprechenden Lehrstühlen an den medizinischen Fakultäten in Nordrhein-Westfalen.

Wir werden darauf hinwirken, dass eine bedarfsdeckende Anzahl von Medizinstudienplätzen vorgehalten wird. Dem soll auch eine neue Medizinische Fakultät in Ostwestfalen-Lippe dienen, um dem überproportionalen Ärztemangel gerade in dieser Region wirksam und vorbeugend zugleich zu begegnen.“ S. 79 [2]

 

Grüne:

„Langfristig wollen wir, dass alle Bachelor-Absolvent*innen ihr Studium mit einem Master fortsetzen können. Daher streben wir die Einführung eines rechtsverbindlichen Anspruches auf einen Masterplatz an. Insbesondere im Lehramtsstudium ist ein Masterstudium für die spätere Berufsausübung zwingend nötig. Deshalb wollen wir zusammen mit den Hochschulen ein Modell für die kombinierte Zulassung im Lehramtsstudium ermöglichen, damit Bachelor-Absolvent*innen auch einen Masterplatz am gleichen Studienort zugesichert bekommen.

Zudem wollen wir gemeinsam mit den Hochschulen auf die Abschaffung von Mindestnoten und ähnlichen Zugangshürden zum Masterstudium hinarbeiten, damit keine Studienplätze trotz interessierter Bewerber*innen mit weniger guten Noten frei bleiben. Auch wollen wir daran arbeiten, zu eng gefasste fachliche Zugangshürden abzubauen, die studentische Mobilität bzw. einen Hochschulwechsel verhindern.“ S. 136

„Wir wollen die neu geschaffenen Möglichkeiten eines Teilzeitstudiums und eines Studiums ohne Abitur in NRW stärker bewerben und fördern. Ebenso wollen wir die Möglichkeit des berufsbegleitenden Studiums an staatlichen Hochschulen in NRW weiter ausbauen.“ S. 137 [3]

 

FDP:

„Wir wollen mehr Studienplätze an den Fachhochschulen und auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Berufsausbildung und akademischem Studium schaffen. Eine Möglichkeit dazu bieten duale oder auch triale Studiengänge. Diese Ausbildungsformen wollen wir verstärkt ausbauen.

Wir setzen auf die Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Studierenden. Das erfordert auch Flexibilität und Gestaltungsspielraum bei der Umsetzung der Studien- und Prüfungsordnungen, die auch unterschiedlichen Studien- und Lebensentwürfen Rechnung tragen sollen, beispielsweise durch Wahlpflichtmodule. Auch sollte vermieden werden, dass Kurse oder Prüfungen nur einmal im Jahr angeboten werden.

Wir möchten, dass jeder Studierende die Chance zur Teilnahme an einem internationalen Austauschprogramm hat. Dazu müssen auch Stipendienprogramme weiter ausgebaut werden. Internationale Kooperationen und eine unbürokratische Anerkennung von im Ausland abgelegten Leistungen sollen unterstützt werden.“

„Weiterhin wollen wir prüfen, inwiefern online im Rahmen eines MOOC (Massive Online Open Course) erworbene Zertifikate, die häufig von renommierten internationalen Universitäten angeboten werden, als Studienleistung anerkannt werden können.“ S. 13 [4]

 

Piraten:

“Forschung und Lehre müssen rational, ergebnisoffen und undogmatisch betrieben werden. In staatlichen Einrichtungen sollen religiöse Lehren nur unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten gelehrt und erforscht werden. Theologische Fakultäten in staatlichen Hochschulen und Universitäten wollen wir abschaffen.“ S. 75

„Noch immer werden Kollegen und Kolleginnen an den Grundschulen schlechter bezahlt als Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen. Durch die Umstellung des Staatsexamenstudiums auf Bachelor- und Masterstudiengänge ist die Ausbildung der Lehramtsstudiengänge gleichwertig. Daher setzen wir uns für die finanzielle Gleichstellung der Grundschullehrkräfte mit den Lehrkräften weiterführender Schulen ein.“ S. 97 [5]

 

Die Linke:

„Was tun?

  • Erhöhung der Zahl der Studienplätze in NRW, so dass genügend Plätze für alle Studieninteressierten zur Verfügung stehen
  • Abschaffung des Numerus clausus und anderer Selektionsinstrumente, mit denen junge Menschen am Studium gehindert werden
  • Verbesserung der Betreuungsrelation von Lehrenden zu Studierenden, so dass sich die Qualität des Studiums wieder verbessert
  • Die Anzahl der Masterstudienplätze muss sich am Bedarf der Studierenden orientieren – nicht an fiktiven Zahlen des Wissenschaftsrates! Jede*r qualifizierten Bewerber*in ist ein Masterstudienplatz gesetzlich zu garantieren; zusätzliche Zugangskriterien wie Mindestnote, Bewerbungsschreiben oder gar Abiturnote sind zu verbieten
  • Für Studierende mit familiären Verpflichtungen und solche, die einer Erwerbsarbeit während des Studiums nachgehen müssen oder wollen, sollen Hochschulen ihr komplettes Studienangebot auch als echte Teilzeitstudiengänge anbieten“ S. 70 [6]

 

 


  1. https://www.nrwspd.de/wp-content/uploads/sites/2/2017/03/regierungsprogramm_der_nrwspd.pdf
  2. https://www.cdu-nrw.de/sites/default/files/media/docs/2017-04-01_regierungsprogramm_cdu_fuer_nrw_2017-2022.pdf
  3. https://gruene-nrw.de/dateien/wahlprogramm2017.pdf
  4. https://www.fdp.nrw/sites/default/files/2017-01/Landtagswahlprogramm.pdf
  5. https://smartgerecht.nrw/wp-content/uploads/2017/03/Wahlprogramm-Piratenpartei-NRW-Landtagswahl-2017-Online.pdf
  6. http://wahl2017.dielinke-nrw.de/fileadmin/_medien_/ltw2017/dateien/Landtagswahlprogramm_2017_Web_neu.pdf