Berlin – Landtagwahl 2016 – Studium & Lehre

Beschreibung:

Die Bologna-Reform wurde zwar bereits 1999 in der gleichnamigen Stadt beschlossen, aber noch immer wird das Schlagwort „Bologna“ genutzt, wenn in der Politik über die Studiengestaltung und die Lehre an Hochschulen debattiert wird: ob die Ziele der Reform wie etwa eine internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse, bessere internationale Mobilität und der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss erreicht wurden. Umstritten ist beispielsweise die Frage, ob es für jeden Bachelorabsolventen einen Masterplatz geben soll und in wie fern der Bachelor auf dem Arbeitsmarkt als Studienabschluss anerkannt ist.

Es werden auch viele grundlegende Diskussionen um Studien- und Lehrbedingungen an Hochschulen unter dem Decknamen der Bologna-Reform geführt. Hierzu gehören u.a. Prüfungsdichte, Auswahlmöglichkeiten und die Modernisierung der Lehrmethoden.

 

Lest hier, was die Parteien in Berlin in dem Bereich Studium und Lehre ändern wollen:

 

 

SPD:

„Wir werden den Prozess der Ausrichtung des Lehr- und Lernangebotes stärker auf die Bedürfnisse dieser Studierenden vorantreiben. Jeder Studiengang muss neben der fachlichen Ausrichtung auch das generelle Studium ermöglichen. Die tatsächliche Arbeitsbelastung eines Vollzeitstudiums soll eine 40-Stundenwoche künftig nicht längere Zeit überschreiten.

Digitale Medien müssen an der Hochschule genauso selbstverständlich Anwendung finden wie herkömmliche Lehrmittel. Dazu gehört der Einsatz klassischer E-Learning-Formate ebenso wie die Bereitschaft der Hochschulen, digitale Lehrangebote einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ S.49

 

„Die Studiengänge an Berlins Hochschulen wollen wir so ausgestalten, dass sie für alle Masterstudiengänge im Anschluss qualifizieren, die im Bereich ähnlicher Wissenschaften angesiedelt sind. Für Berufe, die einen Masterabschluss zwingend voraussetzen, werden wir eine Garantie auf einen Übergang in die Masterphase mit Beginn des Bachelorstudiums absichern. Für alle Studiengänge haben die Hochschulen sicherzustellen, dass jeweils mindestens für 70 Prozent der Studienanfängerzahl eines Bachelorstudiums der direkte Übergang in ein entsprechendes Masterstudium möglich ist. Andererseits haben die Hochschulen alle Bachelorstudienphasen so auszugestalten, dass die Studierenden mit einem Bachelorabschluss eine tatsächliche Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Generell sind Detailvoraussetzungen für die Zulassung zu Masterstudiengängen – insbesondere bestimmte Kombinationen von Leistungspunkten – auf ein Minimum zu begrenzen und bedürfen jeweils einer stichhaltigen Begründung.

Wir setzen uns für die Anerkennung des Bachelors als ersten berufsqualifizierenden Abschluss durch die Arbeitgeber – auch des öffentlichen Dienstes – ein. Darüber hinaus gilt für uns: Ein erfolgreich abgeschlossenes Bachelor-Studium ist eine allgemeine Master-Zugangsberechtigung. Nach dem erfolgten Ausbau der Studienanfängerplätze in den letzten Jahren müssen auch die Masterplatzkapazitäten ausgebaut werden. Nur so kann der Übergang in das weiterführende Studium ohne hohe NCs gelingen. Dies werden wir im Rahmen der Hochschulverträge regeln.“ S.52 [1]

 

CDU:

„Nach Jahren der Erhöhung der Studentenzahlen gilt es nun, sie zu stabilisieren und die Studienbedingungen zu verbessern. Eine gute Betreuung durch Professorinnen und Professoren […] sind dafür erforderlich.“ S.81

„Die für innovative Unternehmen häufig wichtigen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und die Medizin wollen wir konsequent stärken.

Die profilbildenden Fächer der Geistes- und Sozialwissenschaften sind zu erhalten, da sie sich durch besondere Forschungsstärke auszeichnen und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Kulturen der Welt leisten.“ S.82

„Insbesondere auch für beruflich Qualifizierte sollen berufsbegleitende Studienformate ausgeweitet werden.“ S.82 [2]

 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Wir wollen der steigenden Zahl von jungen Menschen, die zum Studieren nach Berlin kommen, unabhängig von Studienrichtung und Hochschulart gut finanzierte Studienplätze bieten. Dazu gehört auch eine bessere Ausstattung der Studierendenwerke.“ S.17 [3]

 

DIE LINKE:

„Wir brauchen wieder mehr Selbstbestimmung und Flexibilität im Studium – wo notwendig durch klare

gesetzliche Bestimmungen über die zuletzt unter Rot-Rot beschlossenen hinaus. Ausreichende Orientierungsphasen für Studienanfänger sind zu garantieren, Freiphasen etwa für politisches

Engagement und frühzeitige Hilfen bei Studienproblemen sicherzustellen. Zwangsexmatrikulation ist kein Instrument linker Hochschulpolitik. Die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums in allen Studiengängen wollen wir im Rahmen flexiblerer Studiengestaltung weiter erleichtern.“ S.75

„Wir wollen einen bedarfsgerechten Ausbau von Studienplätzen – im Bachelor wie im Master.“ S.75

„Wir setzen uns dafür ein, dass Berlin mit einem Zukunftsprogramm Digitalisierung an Hochschulen zumindest zur bundesweiten Spitze aufholt. Die Potenziale der hiesigen Kreativindustrie und Startup-Szene sowie der Bibliotheken und Wissensspeicher der Stadt sollen eingebunden und entwickelt werden.“ S.76 [4]

 

PIRATEN:

„Das Angebot an Studienplätzen an allen Hochschulen und Universitäten in Berlin ist so zu vergrößern, dass die Nachfrage nach diesen Studienplätzen bedient werden kann.“ S.24 [5]

 

FDP:

„Wir fordern eine solide Grundfinanzierung der Hochschulen für geeignete Rahmenbedingungen wie z.B. bessere Ausstattung, ausreichende Lehrveranstaltungen, gut ausgestattete Bibliotheken, angemessene Arbeitsplätze für Studierende und Tutoren.“ S.18

 

„Wir setzen uns dafür ein, dass sich das Betreuungsverhältnis an den Hochschulen verbessert und Studiengänge für Studierende flexibler gestaltet werden. So sollen für das Lehren und Lernen an den Hochschulen die Möglichkeiten des E-Learnings als Verbindung von Präsenzveranstaltungen und computergestützten Lehrangeboten verstärkt genutzt werden. Das ist eine der Möglichkeiten, wie wir den Zugang zur Hochschule für Menschen mit Beeinträchtigungen, mit pflegebedürftigen Angehörigen, für Menschen ohne familiären akademischen Hintergrund und andere verbessern möchten. Um das Lernen individueller gestalten zu können, fordern wir, dass in der Hochschulstadt Berlin mindestens eine 24-Stunden-Bibliothek pro Universität eingerichtet wird, die an sieben Tagen in der Woche geöffnet hat.“ S.19 [6]

 

ALFA:

„Zusätzlich muss die Möglichkeit des dualen Studiums schwerpunktmäßig ausgebaut werden.“ S.8

„Das Lehramtsstudium bedarf einer dringenden Reform. Lehramtsstudenten müssen mittels früherer Praktika viel mehr Zeit in den Klassen verbringen.

Außerdem fordern wir, Auswahltests für Lehramtsanwärter einzuführen. Diese Tests sollen die fachliche, persönliche und gesundheitliche Eignung prüfen. Dazu gehört eine Kontrolle des Vorwissens,der Belastbarkeit, der Gründlichkeit und des vorherigen Engagements mit Kindern.

Diplom und Bologna-System: Sowohl das alte Diplom- als auch das neue Bologna-System haben ihre Vor- und Nachteile. Darum soll jede Universität ab sofort selbst entscheiden, welche Studiengänge sie mit dem Diplom und welche mit dem Bachelor-Master-System anbieten will. Auch ein paralleles Angebot soll möglich sein.“ S.8 [7]

 


  1. https://www.spd.berlin/w/files/spd-2016-wahl/spd_wahlprogramm_lang_online.pdf (07.08.2016)
  2. http://cduberlin.de/image/inhalte/file/Wahlprogramm_final-Screen.pdf (07.08.2016)
  3. https://gruene.berlin/sites/gruene.berlin/files/b90g_berlin_vollprogramm2016.pdf (07.08.2016)
  4. http://www.die-linke-berlin.de/fileadmin/download/2016/wahlprogramm.pdf (07.08.2016)
  5. https://berlin.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2016/06/wp_innen.pdf (07.08.2016)
  6. https://fdp-berlin.de/wp-content/uploads/2016/07/wahlprogramm_20161.pdf (07.08.2016)
  7. http://alfa-be.de/wahlprogramm-fuer-berlin/wp-content/uploads/sites/13/2016/04/Berliner-Wahlprogramm-2016-Version-1.0-2016-04-21.pdf (07.08.2016)