Berlin – Landtagwahl 2016 – Karriereperspektiven

Beschreibung:

Mit der Frage „Was will ich eigentlich mal beruflich machen?“ setzen sich alle Studierenden früher oder später Mal auseinander.

In die Wissenschaft zu gehen ist für manche Studierenden eine faszinierende Perspektive. Doch wie sehen die Arbeitsumstände von angehenden und bereits etablierten Wissenschaftlern aus? Kurze Vertragslaufzeiten und eine schlechte Entlohnung für ein hohes Arbeitspensum sind die häufigsten Kritikpunkte. Die Gehälter sind im Vergleich mit einer Tätigkeit in der Wirtschaft gering und Arbeitsverträge, die teilweise nur über ein Semester laufen, lassen kaum Planungssicherheit zu.

Doch nicht jeder Absolvent möchte nach dem Abschluss weiter an der Hochschule arbeiten. Viele zieht es in die freie Wirtschaft. Einige Hochschulen pflegen gute Kontakte zu Unternehmen, sodass auch Studierende, die nicht weiterhin an der Hochschule arbeiten wollen, direkt eine Perspektive bekommen.

Ein anderer Weg ins Berufsleben zu starten ist, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Um Gründungen zu fördern, richten immer mehr Hochschulen Entrepreneurship Zentren ein oder bauen ihre Technologietransferstellen aus.

Hochschulen haben also vielseitige Möglichkeiten ihren Studierenden Jobperspektiven zu bieten.

 

Aber was wollen die Parteien in Berlin machen, um die verschiedenen Karriereoptionen für Studierende attraktiver zu gestalten?

 

 

SPD:

„Der Aufstieg Berlins zur Start-up-Metropole ist entscheidend mit der Stärke der Wissenschaft verbunden. […] Der Berliner Kreis der Digitalisierung zeigt, welches Potential in der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft liegt. Wir werden diesen Weg der Kooperation auf weitere Themenfelder ausweiten.“ S.49

„Für Daueraufgaben müssen Dauerstellen geschaffen werden, auch der spezifischen Situation der Fachhochschulen werden wir dabei Rechnung tragen. Wir begrüßen alle Maßnahmen, die dem Ziel dienen, Doktorandinnen und Doktoranden als auch Postdoktorandinnen und Postdoktoranden durch längere Verträge Planungssicherheit zu geben. Wir wollen verlässliche Qualifikationswege für den wissenschaftlichen Nachwuchs bieten und Berufsperspektiven unterhalb der Professur schaffen. Darüber hinaus müssen in enger Abstimmung mit den Gewerkschaften Konzepte entwickelt werden, die die Arbeitsqualität der an den Hochschulen Beschäftigten verbessern.

Bei der landesseitigen Finanzierung von Sonderprogrammen wie der Qualitäts- und Innovationsoffensive werden wir Mindestvertragszeiten von 24 Monaten für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorschreiben. Den bundesweit weiterhin einmaligen studentischen Tarifvertrag begrüßt die SPD Berlin als wichtige Säule guter Arbeit an den Hochschulen und wird sich daher für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einsetzen. Gleichzeitig unterstützen wir eine Verbesserung des Tarifvertrages der studentischen Beschäftigten im Land Berlin.

Den Bund-Länder-Pakt für den Nachwuchs werden wir nutzen, um das so genannte Tenure-Track-Modell – welches für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach einer Bewährungszeit eine Aussicht auf eine Lebenszeitprofessur beinhaltet – fest in der Wissenschaft zu verankern und so den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine bessere Planbarkeit ihrer Karriere zu sichern.“ S.51

„Die Hälfte der Berufungen und Leitungsfunktionen werden wir mit Frauen besetzen. […] Wir richten künftig unsere Nachwuchsförderung nach Gleichstellungsaspekten aus.“ S.52[1]

 

CDU:

„Die im Umfeld der Hochschulen angesiedelten Technologie- und Gründungszentren wirken als Inkubatoren, die wir weiter fördern wollen. Außerdem wollen wir das geplante Technologie- und Gründungszentrum in Dahlem zügig errichten.“ S.82 [2]

 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Der wissenschaftliche Nachwuchs braucht eine langfristige berufliche Perspektive. Dazu werden wir mehr unbefristete Stellen im Mittelbau schaffen.“ S.17

„Wir wollen, dass öffentliche Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen gute, existenzsichernde Arbeitsplätze anbieten. Länger laufende Verträge sollen eine planbare Karriere in der Wissenschaft, eine langfristige Lebensplanung und die Gründung einer Familie ermöglichen. Dafür sind wir bereit, die Personalstrukturen der Wissenschaftsinstitutionen zu reformieren und eine Pflicht zur nachhaltigen Personalentwicklung an den Hochschulen einzuführen. Die Promotionsbedingungen verbessern wir mit mehrjährigen Vertragslaufzeiten, die dem tatsächlichen Arbeits- und Qualifizierungsaufwand entsprechen. Spätestens im Postdoc-Bereich müssen attraktive Karrieren vor und neben der Professur mit dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen einhergehen. Ebenso wollen wir der Tarifflucht durch das Outsourcing von Personal ein Ende setzen. Damit verbessern wir sowohl die Situation der Lehrbeauftragten als auch die Tarifverträge für Tutor*innen deutlich.“ S.54

„Wir wollen mehr unbefristete Stellen in Forschung und Lehre schaffen, auch außerhalb von Professuren. Damit wollen wir auch die prekäre Situation von Lehrbeauftragten verbessern und ihre Tätigkeit wieder auf ihren ursprünglichen Zweck begrenzen. Die Lehre ist eine Daueraufgabe an den Hochschulen.“ S.59 [3]

 

DIE LINKE:

„Für alle Daueraufgaben müssen auch Dauerstellen geschaffen werden. Befristungen soll es nur noch für Qualifikationsphasen geben – mit entsprechend gegenseitiger Bindung. Eine wissenschaftliche Berufslaufbahn sollte auch ohne das Ziel einer Lebenszeitprofessur möglich werden – durch Dauerpositionen in einem modernisierten Mittelbau. Wo Lehrbeauftragte dauerhafte Aufgaben wahrnehmen, sind ihnen sozialversicherte Arbeitsverhältnisse anzubieten. Wir wollen den bundesweit einzigartigen studentischen Tarifvertrag erhalten und ausbauen. Die Entwicklung der Entgelte für studentische Beschäftigte muss mindestens der Entwicklung der realen Lebenshaltungskosten entsprechen.“ S.75 [4]

 

PIRATEN:

„Die Bezahlung für Lehrbeauftragte an allen Universitäten und Fachhochschulen in Berlin muss besser werden. Die Begrenzung der maximal möglichen Stunden an einer einzelnen Einrichtung sollte aufgehoben werden. Lehraufträge sind auch für Zeiträume länger als ein Semester zu vergeben. Die Hochschulen und Universitäten sollen zudem über einen Zeitraum von bis zu 42 Tagen auch Stunden vergüten, die krankheitsbedingt ausfallen.“ S.25 [5]

 

FDP:

„Um die Situation zu verbessern und die Lehrfähigkeit auszubauen, sollen breitere und differenziertere Angebote zur Weiterbildung in der Hochschuldidaktik angeboten werden. Tenure-Track-Programme nach dem Münchener Vorbild sollen ausgebaut, also die Berufung vielversprechender wissenschaftlicher Talente mit einem zeitlich befristeten Vertrag und der gleichzeitigen realistischen Aussicht auf eine Stelle auf Lebenszeit gefördert und Übergänge vom Mittelbau zu Professuren erleichtert werden. Dabei sollen die Hochschulen Wissenschaftlern individuell ermöglichen können, ihrer Lehrverpflichtung flexibel nachzukommen. Die Lehrverpflichtung soll beibehalten werden, um so sicherzustellen, dass weiterhin genügend Lehrangebote an den Hochschulen bestehen.“ S.19/20

„Wir werden uns für einen eigenständigen Wissenschaftstarifvertrag für einen hochdynamischen Arbeitsmarkt einsetzen. Dadurch schaffen wir die Voraussetzungen für ein eigenständiges Tarif- und Vergütungssystem für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wissenschaftlichen Nachwuchs und wissenschaftlich-technisches Personal. Ebenfalls werden wir uns für eine sinnvolle Reform des Wissenschaftszeitvertrages einsetzen, die weder Studierende gängelt noch Professuren verhindert. […] Wir Freien Demokraten sehen aber auch, dass nicht jeder Studierende eine Professur antreten kann – deswegen ist es wichtig, Absolventen auf den Arbeitsmarkt außerhalb der Hochschulen vorzubereiten, gemeinsam mit der Wirtschaft.“ S.20

„Daher wollen wir die hochschulinterne Förderung von Gründungen und die Zahl von Ausgründungen als Bestandteil der Finanzierung der Hochschulen im Rahmen der Hochschulverträge verankern. […] Zudem sollen die Hochschulen Entrepreneurship-Programme stärker in den Fokus nehmen. Hochschulangehörigen soll es erleichtert werden, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in marktgängige Innovationen umzuwandeln und dafür Unternehmen zu gründen. Hierfür sollen sie die Infrastruktur der Hochschulen auch in der Entwicklungsphase von Innovationen gegen eine angemessene Kostenbeteiligung nutzen dürfen.

Für Gründerinnen und Gründer aus dem wissenschaftlichen bzw. Hochschulbereich wollen wir die Möglichkeit von Sabbaticals (Freistellungen auf Zeit) für die Gründung von Unternehmen eröffnen.“ S.21 [6]

 

ALFA:

Keine Aussage [7]

 


  1. https://www.spd.berlin/w/files/spd-2016-wahl/spd_wahlprogramm_lang_online.pdf (07.08.2016)
  2. http://cduberlin.de/image/inhalte/file/Wahlprogramm_final-Screen.pdf (07.08.2016)
  3. https://gruene.berlin/sites/gruene.berlin/files/b90g_berlin_vollprogramm2016.pdf (07.08.2016)
  4. http://www.die-linke-berlin.de/fileadmin/download/2016/wahlprogramm.pdf (07.08.2016)
  5. https://berlin.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2016/06/wp_innen.pdf (07.08.2016)
  6. https://fdp-berlin.de/wp-content/uploads/2016/07/wahlprogramm_20161.pdf (07.08.2016)
  7. http://alfa-be.de/wahlprogramm-fuer-berlin/wp-content/uploads/sites/13/2016/04/Berliner-Wahlprogramm-2016-Version-1.0-2016-04-21.pdf (07.08.2016)