Baden-Württemberg – Landtagswahl 2016 – Studium & Lehre

Beschreibung:

Die Bologna-Reform wurde zwar bereits 1999 in der gleichnamigen Stadt beschlossen, aber noch immer wird das Schlagwort „Bologna“ genutzt, wenn in der Politik über die Studiengestaltung und die Lehre an Hochschulen debattiert wird: ob die Ziele der Reform wie etwa eine internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse, bessere internationale Mobilität und der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss erreicht wurden. Umstritten ist beispielsweise die Frage, ob es für jeden Bachelorabsolventen einen Masterplatz geben soll.

Es werden auch viele grundlegende Diskussionen um Studien- und Lehrbedingungen an Hochschulen unter dem Decknamen der Bologna-Reform geführt. Hierzu gehören u.a. Prüfungsdichte, Auswahlmöglichkeiten und die Modernisierung der Lehrmethoden.

 

CDU:

„Wir werden

  • die zu hohe Spezialisierung in den Bachelor-Studiengängen reduzieren,
  • […]
  • die Hochschulen bei innovativen Forschungsansätzen des Lernens und Lehrens durch die Förderung hochschulübergreifender Verbünde unterstützen,
  • Mehr dafür tun, dass Bachelor- und Masterstudiengänge im Ablauf an unseren Hochschulen flexibler gestaltet werden können und beispielsweise Auslandssemester leichter in das Studium zu integrieren sind. Hierzu ist auch über eine Anpassung der deutschen Semesterzeiten an internationale Semesterregelungen nachzudenken.“ S. 45 [1]

 

 

Bündnis90/Die Grünen:

„Mit dem Programm „Master 2016“ haben wir erste Schritte zu einem Ausbau der Masterstudienplätze unternommen. In stark nachgefragten Feldern werden wir einen weiteren Ausbau forcieren, gegebenenfalls werden wir Studienplätze vom Bachelor- und den Masterbereich umschichten.

Unser Ziel ist es, die Qualität des Studiums stetig zu steigern. In der nächsten Legislaturperiode werden wir Hochschulen, Lehrende und Studierende ermuntern, die heute schon vorhandenen Freiräume des Bachelor-Master-Modells zu nutzen. Wir wollen Anreize dafür setzen, dass Hochschulen Studienordnungen flexibel gestalten und innovative Studienformate erproben, um den über eine reine Berufsausbildung hinausgehenden Charakter des Studiums zu erhalten. So können etwa die verstärkte Einbeziehung digitaler Medien oder eine Studienstruktur mit interdisziplinären Anteilen, wie ein fächerübergreifendes gemeinsames Studium generale, Zukunftsmodelle sein.“ S. 124 [2]

„Einen besonderen Stellenwert beim Ausbau der Studienplätze nimmt für uns die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe, aber auch der Erziehungsberufen ein. In einem Wettbewerbsverfahren wurden primärqualifizierende Studiengänge der Pflegewissenschaft, der Physiotherapie und des Hebammenwesens aufgebaut. Diesen weg wollen wir fortsetzen und ihn auf andere Berufe, in denen Bedarf an akademischen Fachkräften besteht (z.B. Logopädie, Ergotherapie, deutsche Gebärdensprache) ausweiten.“ S. 125 [2]

„Daher bauen wir die Angebote zur hochschuldidaktischen Weiterbildung und zum landesweiten Austausch von Best-Practice-Modellen der Hochschullehre aus. Zu diesem Zweck gilt es, verstärkt die Möglichkeiten digitaler Medien zu nutzen. Wir werden die baden-württembergischen Hochschulen und Universitäten bei der Entwicklung von Online-Lehr- und Lernformen in Studium und Weiterbildung weiter unterstützen.“ S. 127 [2]

 

 

SPD:

„Das hohe Niveau an Studienplätzen werden wir erhalten und bedarfsgerecht ausbauen. Schon jetzt haben wir mit dem Programm „Master 2016“ mit der Erweiterung der Master-Studienplätze begonnen. Wir werden überprüfen, ob das Angebot an Masterplätzen auch der Nachfrage entspricht und – wenn nötig – Verschiebungen und Erhöhungen vornehmen.

Unser Ziel ist es, für alle Bachelorabsolventinnen und -absolventen einen Masterstudienplatz zur Verfügung zu stellen. Weiter wollen wir den Aufbau von Studiengängen in den Gesundheits- und Erziehungsberufen voranbringen. Schon jetzt konnten wir durch ein Wettbewerbsverfahren primärqualifizierende Studiengänge der Pflegewissenschaft, der Physiotherapie und des Hebammenwesens etablieren. In einer Akademisierung im Management, in der Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie in den Pflegewissenschaften sehen wir die Chance, Abiturientinnen und Abiturienten für die „Pflege“ zu gewinnen.“ S. 44 [3]

„Im Sinne der Transparenz in der Studienorientierung werden wir darauf achten, dass die Bachelor-Studiengänge fachlich breit gestaltet sind und so einen guten Überblick über eine gesamte Fachrichtung bieten. Eine tiefergehende Ausdifferenzierung und Spezialisierung der Studienangebote sollte überwiegend im Masterbereich erfolgen.“ S. 44 [3]

„Wir werden flexible Studienwege fördern und dabei spezielle Teilzeitstudienangebote und mehr Möglichkeiten zur individuellen Studiengestaltung und zum E-Learning ermöglichen.“ S. 45 [3]

„Die Praxis der qualifizierten Atteste, bei denen die Prüfungsfähigkeit von Prüfungsausschüssen nach in ärztlichen Attesten zu notierenden Befundtatsachen beurteilt wird, demütigt Studierende und greift in ihre Privatsphäre ein, zugleich misstraut sie Ärzten und Ärztinnen unnötig. Wir lehnen sie deshalb ab und setzen uns für ihre Abschaffung ein.“ S. 45 [3]

 

 

FDP:

„Wir werden […]

  • dafür sorgen, dass die Universitäten und Hochschulen eine nachfragegerechte Zahl von Masterstudienplätzen anbieten können,
  • mit dem Freistaat Bayern Verhandlungen mit dem Ziel aufnehmen, dass baden-württembergische Studierende die Angebote der Virtuellen Hochschule Bayern in Anspruch nehmen können
  • […]
  • uns auf Bundesebene dafür einsetzen, die Obergrenze von zehn Semestern Regelstudienzeit für ein konsekutives Bachelor- und Masterstudium abzuschaffen.“ S. 33 [4]

 

„Wir werden […]

  • an einer neu zu gründenden Hochschule für Angewandte Wissenschaften neue Studiengänge mit dem Schwerpunkt Umwelt- und Energietechnik einrichten“ S. 57 [4]

 

„Wir werden:

  • die Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs so verbessern, dass es gelingt, die besten Vertreter der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer im Land zu halten,
  • gemeinsam mit den Universitäten ein Konzept zur Allokation und Entwicklung der kleinen Fächer an den Universitäten des Landes entwickeln und umsetzen,
  • die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen, mit denen sich die Geistes- und Sozialwissenschaften an der Entwicklung der „digital humanities“ beteiligen können,“ S. 112 [4]

 

 

Die LINKE:

„Der Bologna-Prozess ist gescheitert. DIE LINKE setzt sich dagegen für eine Studienreform ein, die auch diesen Namen verdient: Im Dialog mit Studierenden und Lehrenden müssen Studieninhalte überarbeitet werden und auf ihre Studierbarkeit und Vergleichbarkeit überprüft werden.“ S. 18

 

„DIE LINKE in Baden-Württemberg fordert: […]

 

  • ein Sofortprogramm zur Deckung des erhöhten Lehrbedarfs durch den doppelten Abiturjahrgang 2012;
  • […]
  • Die Abschaffung aller Zulassungsbeschränkungen;
  • Den Master (MA) als Regelabschluss an allen Hochschulen und den Rechtsanspruch auf einen Master-Studienplatz;
  • Reduktion der studentischen Arbeitslast“ S. 18/19[5]

 

ALFA:

„Die Hochschulen sollen künftig wieder neben den internationalen Bachelor- und Masterabschlüssen die traditionellen Diplom- und Magistergrade verleihen dürfen. Das Staatsexamen für Juristen, Lehrer und Mediziner soll nicht abgeschafft werden.

Wir sprechen uns strikt gegen Mode-Professuren wie Gender Studies aus, die ein politisches Programm verfolgen. Fachlichkeit darf nicht durch Ideologie verdrängt werden.“ S. 11 [6]


  1. http://www.cdu-bw.de/uploads/media/CDU-BW_Regierungsprogramm_2016-2021.pdf S. 45 (14.02.2016)
  2. https://www.gruene-bw.de/app/uploads/2016/01/GrueneBW-Landtagswahlprogramm-2016.pdf S. 124; S. 125; S. 127 (14.02.2016)
  3. https://www.spd-bw.de/index.php?mod=content&menu=202&page_id=23791 S. 44; S. 45 (14.02.2016)
  4. http://www.fdp-bw.de/docs/FDPBW_LW_Programm_2016.pdf S. 33; S. 57; S. 112 (14.02.2016)
  5. http://www.die-linke-bw.de/fileadmin/lv/landesdokumente/ltw11/ltw11-wahlprogramm-linke.pdf S. 18; S. 19 (14.02.2016)
  6. http://alfa-bw.de/wp-content/uploads/sites/2/2015/08/Grundlagen-Landtagswahlprogramm-BW-2016-ALFA-Allianz-f%C3%BCr-Fortschritt-und-Aufbruch-Baden-W%C3%BCrttemberg.pdf S. 11 (14.02.2016)