Baden-Württemberg – Landtagswahl 2016 – Karriereperspektiven

Beschreibung:

Mit der Frage „Was will ich eigentlich mal beruflich machen?“ setzen sich alle Studierenden früher oder später Mal auseinander.

In die Wissenschaft zu gehen ist für manche Studierenden eine faszinierende Perspektive. Doch wie sehen die Arbeitsumstände von angehenden und bereits etablierten Wissenschaftlern aus? Kurze Vertragslaufzeiten und eine schlechte Entlohnung für ein hohes Arbeitspensum sind die häufigsten Kritikpunkte. Die Gehälter sind im Vergleich mit einer Tätigkeit in der Wirtschaft gering und Arbeitsverträge, die teilweise nur über ein Semester laufen, lassen kaum Planungssicherheit zu.

Doch nicht jeder Absolvent möchte nach dem Abschluss weiter an der Hochschule arbeiten. Viele zieht es in die freie Wirtschaft. Einige Hochschulen pflegen gute Kontakte zu Unternehmen, sodass auch Studierende, die nicht weiterhin an der Hochschule arbeiten wollen, direkt eine Perspektive bekommen.

Ein anderer Weg ins Berufsleben zu starten ist, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Um Gründungen zu fördern, richten immer mehr Hochschulen Entrepreneurship Zentren ein oder bauen ihre Technologietransferstellen aus.

Hochschulen haben also vielseitige Möglichkeiten ihren Studierenden Jobperspektiven zu bieten.

Aber was wollen die Parteien in Baden-Württemberg machen, um die verschiedenen Karriereoptionen für Studierende attraktiver zu gestalten?

 

 

CDU:

„Wir wollen die Karriereperspektiven von jungen Nachwuchswissenschaftlern verbessern und dadurch auch die Attraktivität des Wissenschafts- und Forschungsstandortes Baden-Württemberg steigern.

Wir werden

  • die Anzahl unbefristeter Stellen im akademischen Mittelbau erhöhen,
  • die Laufbahn durch die Möglichkeit der Verbeamtung auf Lebenszeit nach einer befristeten Bewährungszeit stärken.“ S. 46 [1]

 

„Wir werden

  • ein Landeszentrum zur Start-up-Förderung schaffen,
  • mehr Venture-Capital für Unternehmensgründungen bereitstellen,
  • die Bereitstellung von kostenlosen WLAN-Hotspots in möglichst vielen Städten und Gemeinden sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln fördern.“ S. 51 [1]

 

 

Bündnis90/Die Grünen:

„In das dichte Netz an Kooperationen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wollen wir auch diejenigen kleinen und großen Unternehmen einbinden, die es bislang nicht umfänglich nutzen. Zudem wollen wir die Chancen für Startup-Initiativen verbessern.“ S. 119 [2]

 

„Daher ist es uns ein Anliegen, jungen Forscher*innen faire Beschäftigungsverhältnisse und verlässliche Karrierewege zu ermöglichen, vom Beginn der wissenschaftlichen Karriere mit der Promotion über die Postdoc-Phase bis zur Professur.“ S. 120 [2]

 

 

SPD:

„Diesen Weg wollen wir fortsetzen und die Gründungsoffensive ausbauen. Neben den Gründungen von Startups werden wir den Fokus auch auf Ausgründungen aus Unternehmen legen und damit den Mittelstand weiter stärken. Damit verfolgen wir das Ziel, dass gute Ideen, die in den Unternehmen, in denen sie entwickelt wurden, nicht verwirklicht werden können, nicht verloren gehen. Um in der Startup-Szene den Frauenanteil zu erhöhen, werden wir gezielte Frauenförderprogramme unterstützen. Auch die Vernetzung von Hochschulen und Gründerzentren werden wir voranbringen und die Bereitstellungen von Kapazitäten an Hochschulen prüfen. Gemeinsam mit der L-Bank werden wir eine Wagniskapitalstrategie entwickeln, um Unternehmen im Land vor allem in der Wachstumsphase noch stärker zu unterstützen. Dabei werden wir den erfolgreichen „VC Fonds Baden-Württemberg“ als Teil dieser Wagniskapitalstrategie weiter ausbauen.“ S. 17 [3]

 

„Unser Ziel ist es, die Anzahl der befristeten Beschäftigungsverhältnisse im wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Bereich deutlich zu reduzieren. Um das zu erreichen, haben wir die Grundfinanzierung für die Hochschulen um drei Prozent pro Jahr erhöht und die Voraussetzungen für mehr Dauerstellen und Entfristungen bestehender Arbeitsverhältnisse geschaffen. Arbeitsverträge mit einer Laufzeit von unter zwei Jahren dürfen nur noch in begründeten Ausnahmefällen geschlossen werden. […]

Wir werden uns auch weiterhin für sichere Arbeitsplätze und planbare Berufsperspektiven an unseren Hochschulen einsetzen. Für uns gilt das Prinzip: Dauerstellen für Daueraufgaben. Deshalb werden wir die Entfristung von Arbeitsverhältnissen vorantreiben, sodass die Hochschulen bis Ende 2016 die Möglichkeit wahrnehmen, 3.800 Stellen unbefristet zu besetzen. Im Sinne der befristet beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden wir darauf achten, dass die von den Hochschulen verabschiedeten Selbstverpflichtungen zur Entfristung von Arbeitsverträgen im wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Bereich auch umgesetzt werden. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der Begrenzung von Verträgen mit einer Laufzeit von unter zwei Jahren und der Regelung über Befristungen bei Daueraufgaben im wissenschaftsunterstützenden Bereich. Wir werden uns auch der Beschäftigungssituation der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte widmen. Unter anderem gilt es hier, Voraussetzungen zu schaffen, dass diese bei befristeten nicht wissenschaftlichen Stellenausschreibungen im öffentlichen Dienst an baden-württembergischen Hochschulen aufgrund des Teilzeit- und Befristungsgesetzes keinen Nachteil aus ihrer studentischen Tätigkeit haben und nicht von vornherein bei der Auswahl ausgeschlossen werden müssen.“ S. 45/46 [3]

 

„Wir setzen uns auch künftig für gute Karriereperspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses ein. Dafür werden wir die Juniorprofessur mit Tenure Track weiter ausbauen und auf Habilitierte und Nachwuchsgruppenleiterinnen und -leiter erweitern. Wir werden den akademischen Mittelbau stärken und attraktive Personalkategorien unterhalb der Professur schaffen. Wir unterstützen die weitere Öffnung der Universitäten für die Promotion in Kooperation mit den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Wir werden aber auch in Zukunft weiter das Ziel verfolgen, mit der so genannten Experimentierklausel im Landeshochschulgesetz das befristete Promotionsrecht für Hochschulverbünde der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Realität werden zu lassen.“ S. 46 [3]

 

 

FDP:

„Die Unternehmer und Existenzgründer in unserem Land sollen in einem positiven Klima des Miteinanders arbeiten und starten können.“ S. 34

„Wir werden […]

  • die Möglichkeiten zur Finanzierung von Innovationen verbessern und praxisfreundlicher ausgestalten. Die Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge (ifex) fortsetzen“ S. 35/36 [4]

„Wir werden […]

  • die „Industry-on-Campus“-Kooperation mit kleinen und mittleren Unternehmen verbessern und ausweiten
  • […]
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Technologietransfers aus den Hochschulen in die baden-württembergische Wirtschaft ergreifen“ S. 57 [4]

 

„Wir werden […]

  • neue Zukunftschancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs schaffen, um exzellente Köpfe im Land zu behalten“ S. 61 [4]

 

 

Die LINKE:

„DIE LINKE Baden-Württemberg fordert: […]

  • Dauerstellen für Daueraufgaben in Forschung, Lehre und Verwaltung; tarifliche Regelung aller Arbeitsverhältnisse an Hochschulen;
  • Modernisierung der Personalstruktur, zum Beispiel über die flächendeckende Einführung von Tenure-Track-verfahren und Abschaffung der Habilitation“ [5] S. 19

 

 

ALFA:

„Die Beschäftigung des akademischen Nachwuchses an den Hochschulen nach der Promotion muss neu geregelt werden. Dauerhafte Vollzeitstellen müssen überschaubare Lebensplanung und Familiengründungen ermöglichen.“ S. 11 [6]

 


  1. http://www.cdu-bw.de/uploads/media/CDU-BW_Regierungsprogramm_2016-2021.pdf S. 46; S. 51 (14.02.2016)
  2. https://www.gruene-bw.de/app/uploads/2016/01/GrueneBW-Landtagswahlprogramm-2016.pdf S. 119; S. 120 (14.02.2016)
  3. https://www.spd-bw.de/index.php?mod=content&menu=202&page_id=23791 S. 17; S. 45; S. 46 (14.02.2016)
  4. http://www.fdp-bw.de/docs/FDPBW_LW_Programm_2016.pdf S. 35; S. 36; S. 57; S. 61 (14.02.2016)
  5. http://www.die-linke-bw.de/fileadmin/lv/landesdokumente/ltw11/ltw11-wahlprogramm-linke.pdf S. 19 (14.02.2016)
  6. http://alfa-bw.de/wp-content/uploads/sites/2/2015/08/Grundlagen-Landtagswahlprogramm-BW-2016-ALFA-Allianz-f%C3%BCr-Fortschritt-und-Aufbruch-Baden-W%C3%BCrttemberg.pdf S. 11 (14.02.2016)